Autogerechte Kreuzung ist gut fürs Klima?

Die Verwaltung hat Pläne zum Umbau des Knotens Amsterdamer Straße / Xantener Straße vorgelegt und bewertet diese als "positiven Beitrag" zum Klimaschutz.

Die "Leistungsfähigkeit des Verkehrssystems" werde durch den Umbau gefördert und der Verkehr dadurch "ressourcenschonend" abgewickelt. Wenn diese Einschätzung unwidersprochen bestehen bleibt, kann zukünftig jede Maßnahme, die dem Kfz-Verkehr mehr Raum verschafft, dem Klimaschutz zugerechnet werden. Köln macht damit die durchaus vorhandenen Anstrengungen für Luftreinhaltung und Klimaschutz zur Farce.

Die Verwaltung schreibt, dass am Knoten eine "erhöhte Verkehrsbelastung" Maßnahmen erforderlich macht. Eine Verkehrsuntersuchung ist dem Baubeschluss nicht beigefügt. Wie haben sich die Verkehrsmengen – inklusive Fuß- und Radverkehr – in den letzten fünf Jahren dort entwickelt? Sollte eine Klimaschutzmaßnahme nicht zum Ziel haben, einen erhöhten Kfz-Verkehr zu reduzieren?

Was ist geplant? Auf der Xantener Straße wird die Fahrbahn rund 50 Meter vor der Kreuzung aufgeweitet, um Platz für je eine Rechts- und Linksabbiegerspur zu schaffen. Auf der Amsterdamer Straße wird der Grünstreifen umgestaltet, so dass sich mehr Autos für einen U-Turn in Richtung Süden aufstellen können. Radfahrende können in Richtung Riehler Gürtel geradeaus in die Einbahnstraße fahren. Der separate Radweg in Richtung Kinderkrankenhaus entfällt auf rund 80 Metern, er wird durch einen Schutzstreifen/Radfahrstreifen ersetzt.

Aus Sicht des Radverkehrs gibt es einige Kritikpunkte:

  1. Obwohl die Fahrbahn der Xantener Straße aufgeweitet wird, fehlt weiterhin eine Radfahrinfrastruktur, und zwar in beiden Fahrtrichtungen.
  2. Es ist lobenswert, dass der Radverkehr in die geöffnete Einbahnstraße in Richtung Riehler Gürtel fahren können wird. Radfahrende können allerdings nur dann gefahrlos geradeaus fahren, wenn sie die dafür vorgesehene Aufstellfläche erreichen. Diese befindet sich zwischen bzw. vor zwei Fahrspuren. Eine Zuleitung fehlt. Nur ortskundige Radfahrende wissen, dass sie sich frühzeitig vor der Aufweitung mittig auf der Fahrbahn einordnen müssen, und nur die Geübten werden es tun. Die Unsicheren werden sich am rechten Fahrbahnrand aufhalten und möglicherweise versuchen, die Kreuzung von dort geradeaus zu queren – was sie auf Kollisionskurs mit rechtsabbiegenden Kraftfahrzeugen bringt. Die Führung ist so nicht akzeptabel.
  3. Neben den 1,20m breiten Aufstellflächen für den Radverkehr ist nur 1,80m Platz – das reicht nicht für einen PKW und verleitet dazu, Radfahrende viel zu eng zu passieren. Die Flächen sollten über die gesamte Breite der Fahrspur gehen. Die Haltelinie der Linksabbieger-Spur muss zurückverlagert werden, um dem Richtung Niehler Straße abbiegenden Bus 140 ausreichend Platz zu verschaffen. Eine Hinführung zu den Aufstellflächen muss ergänzt werden, siehe oben.
  4. Der durch ein Rundbord getrennte Radweg entlang der Amsterdamer Straße Richtung Kinderkrankenhaus entfällt auf rund 80 Metern bis zur südlichen Ausbaugrenze. Auf den ersten Metern wird der Radverkehr auf einem 1,85m breiten Schutzstreifen geführt, der sich in einen 2m breiten Radfahrstreifen verwandelt, der wiederum auf den später wieder vorhandenen separaten Radweg führt. Es ist nicht akzeptabel, dass der Schutz- und Platzbedarf des Radverkehrs entlang einer stark belasteten Straße mit Tempo 50 (und erheblich höheren tatsächlichen Geschwindigkeiten) alle paar Meter neu verhandelt wird. Eine baulich getrennte Radfahrinfrastruktur ist hier unabdingbar.
  5. Aufstellfläche an der Fußgängerampel: Der Kurvenradius des Rechtsabbiegers in die Amsterdamer Straße wird stark abgeflacht, um höhere Abbiegeschwindigkeiten zu ermöglichen. Der Platz auf dem Hochbord schrumpft dadurch drastisch. Es wird dort also zugunsten des Kfz-Verkehrs eine Engstelle an einer Fußgängerampel geschaffen, auf Kosten der zu Fuß Gehenden, Kindern auf dem Rad und in ihrer Mobilität eingeschränkten Menschen. Das ist nicht akzeptabel.

Die Verwaltung schlägt vor, die Vorlage in die Zuständigkeit der Bezirksvertretung Nippes zu übergeben. Wir hoffen, dass die Verkehrspolitikerinnen und Verkehrspolitiker im Verkehrsausschuss den Bedarf für grundsätzliche Nachbesserungen erkennen und entsprechende Änderungen in der ersten Runde am 28.04.20 oder in einer zweiten Beratung beschließen. Ohne deutliche Verbesserungen für Fuß- und Radverkehr darf diese autogerechte Planung nicht beschlossen werden – schon gar nicht mit dem Klimaschutz-Etikett.

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