Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Köln e. V.

Eine Baustelle im Wandel der (Jahres)zeiten

Auf dem Hohenzollernring zwischen Bismarckstraße und Friesenplatz kann man seit vielen Monaten beobachten, wie sich die Kölner Verwaltung an eine sichere und regelkonforme Radverkehrsführung entlang einer Baustelle heranrobbt.

In der ersten Phase wurde der Radverkehr an der Einmündung Bismarckstraße recht unsanft auf die Fahrbahn gebeten: Ein Durchfahrtsverbot und ein Absperrgitter auf dem Hochbord-Radweg, aber nur ein paar wenige gestrichelte Linien auf der Fahrbahn wiesen den Weg. Erst im März gab es dann eine durch Baken gesicherte und mit einer Rampe garnierte Ausleitung auf die Straße (die Baustelle war da bereits etwas weiter nach Süden gewandert).

Im Juni wurde dann die gesamte rechte Fahrspur zur "Radspur light" umgewidmet. Der gelbe Schutzstreifen wurde verlängert und provisorische Fahrradpiktogramme markiert. Dort, wo der Fußverkehr auf die Fahrbahn wechseln muss, ist die rechte Spur allerdings durch Baken, Absperrgitter und deren Sockel verengt. Und nicht nur morgens ist die Spur durch Lieferanten und Lieferdienste belegt. Eine konsequentere Umsetzung – etwa als Pop-up-Radweg – wäre hier angebracht und auch möglich gewesen.

Wir gehen davon aus, dass sich das Amt für Verkehrsmanagement zu den inkrementellen Verbesserungen auch deshalb hat hinreißen lassen, weil es über einen Zeitraum von einem halben Jahr viel Fanpost erhalten hat. Unter anderem von uns.

Auf den letzten Metern geht dem Amt leider die gestalterische Puste aus. Der Schutzstreifen weist den Weg zurück auf den alten Radweg – ausgerechnet direkt vor der Zufahrt des Kölner Haus- und Grundbesitzervereins. Dessen Geschäftsführung hat aus dem Büro eine hervorragende Aussicht auf das, was sich dort täglich abspielt. Ausfahrende Autofahrer*innen geraten auf Kollisionskurs mit den Radfahrenden, die sich auf den irrwitzigen Kurvenradius und die holprige Fahrt über die Bordsteinkante konzentrieren.

Alles kein Problem, sagt das Amt. Aufpassen im Verkehr sei die erste Bürgerpflicht. Dass die Sicht fast immer durch trotz Halteverbot parkende Baustellentransporter behindert ist, ficht das Amt für Verkehrsmanagement nicht an. Hierfür sei das Ordnungsamt zuständig. Dass die Parkplätze auch abgesperrt werden könnten, ist offenbar eine zu einfache Lösung.

Aus Sicht der Verwaltung besteht auch kein Anlass, den Schutzstreifen bis zum Friesenplatz durchzuziehen. Die gelbe Linie zurück auf den alten Radweg ist gestrichelt, und damit nicht verpflichtend. So argumentiert jedenfalls das Amt. Vor Ort ist zu beobachten, dass 90% der Radfahrenden die Linien anders interpretieren. Fast niemand fährt auf der Fahrbahn weiter.

Zur Erinnerung: Es ist seit einem Jahr beschlossene Sache, dass auch auf diesem Abschnitt der Ringe je eine Fahrspur zur Radspur umgewidmet wird. Wann die Verwaltung diese dritte Umsetzungsphase von #RingFrei angehen will, sollte eigentlich noch vor dem Beginn der Sommerferien kommuniziert werden.

Nicht nur der ADFC Köln schüttelt den Kopf darüber, dass die Verwaltung sich so beharrlich unbeweglich zeigt. Aus diesem Anlass haben wir heute gemeinsam mit dem Kölner Haus- und Grundbesitzerverein und RingFrei zu einem Pressetermin an der Baustelle eingeladen.


https://koeln.adfc.de/neuigkeit/eine-baustelle-im-wandel-der-jahreszeiten

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