Geisterrad für Kerstin
Ein weißes Geisterrad erinnert an den schrecklichen Unfall bei dem Kerstin Hartmann verstarb. Nach dem Tod seiner Tochter, will Werner Hartmann erreichen, dass Politiker mehr für die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern tun.

Vor etwas mehr als einem Jahr wurde an dieser Stelle unsere Tochter getötet.
Viele Bekannte und Freunde unserer Tochter sowie Fremde haben uns in dieser Zeit begleitet und gestützt.
Deshalb:
Danke – an die Geschäftsleitung der Universitäts-Klinik Köln, die es Kerstins ehemaligen Kolleginnen und Kollegen ermöglicht hat, Kerstin auf ihrem letzten Weg in Cleebronn so zahlreich zu begleiten.
Danke – allen, die heute an den Ort gekommen sind, an dem uns Kerstin verlassen musste und die damit Wertschätzung gegenüber ihrer Persönlichkeit bekunden.
Danke – für das Geschenk, das alle diese Personen Kerstin, ihrer Familie, ihrem Lebenspartner und Freunden gemacht haben. Sie haben uns etwas von ihrem kostbarsten Gut geschenkt: Lebenszeit. Ich hoffe mit Ihnen, dass unsere heutigen Aktivitäten nicht vergebens waren und bewirken, dass vonseiten der Politik zum Schutz der Bürger und Bürgerinnen etwas getan wird.
Das teile ich Ihnen im Namen meiner Familie mit.
Nun erlaube ich mir noch Anmerkungen zur Situation des Unfallbereiches - dort wo das Leben unserer Tochter ausgelöscht wurde. Die Verwaltung der Stadt Köln wurde von Anwohnern der Straße mehrfach auf das Fehlen mehrerer Verkehrszeichen hingewiesen, und es geschah nichts. Nach dem Tod unserer Tochter wurden dann die Schilder erneuert. Doch dieser Unfall hätte nicht geschehen müssen, denn es gibt Interessensgruppen, die den Politikern das Problem vortragen.
Hierzu Auszüge einer Mitteilung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC):
„Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hat die Bundesregierung aufgefordert, fortschrittliche Kraftfahrzeugtechnik zum Schutz von Radfahrern und Fußgängern in ihr Verkehrssicherheitsprogramm aufzunehmen.
Bei einer Expertenanhörung am 09.11.2011 vor dem Verkehrsausschuss des Bundestags bestätigen die Fachleute die Sinnhaftigkeit und fortgeschrittene Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen. Diese lösen automatisch Bremsvorgänge aus oder warnen beim Öffnen der Tür wenn sich Fußgänger oder Radfahrer im toten Winkel befinden. Mit dem Verkehrssicherheitsprogramm soll in Übereinstimmung mit den Zielen einer EU-Initiative ein Rückgang der Todesfälle im Verkehr bis 2020 um 40 Prozent angestrebt werden.
Der ADFC kritisiert, dass die Bundesregierung auf Technik setzen möchte, die erst nach einem Unfall zum Einsatz kommt. So soll beispielsweise ein vom Unfallauto selbsttätig ausgelöster Notruf verpflichtend werden - das plant auch die EU. Besser ist es aber, Unfälle zu vermeiden.“
Den Vorschlag der Politik und der EU kann ich nicht verstehen, statt Vorsorge zu betreiben, um Unfälle zu verhindern, akzeptiert die Politik, dass Personen getötet werden. Vor über zehn Jahren wurden Fahrerassistenzsysteme vorgestellt, die derartige Unfälle verhindern. Diese hätten zum damaligen Zeitpunkt keine 100%tige Sicherheit erzielt und deshalb wurde der Einbau nicht vorgeschrieben. Wenn diese Systeme damals nur eine Sicherheit von 40% erreicht hätten, dann wären die Zielvorgaben für 2020 schon lange erreicht und wir müssten heute nicht dieses Geisterrad aufstellen.
Eine weitere Möglichkeit Unfälle dieser Art zu minimieren haben die Kommunen selbst in der Hand: Die Ausstattung von Ampelanlagen mit Trixi®-Spiegeln. Mit diesen Spiegeln wäre vor kurzem ein tödlicher Unfall in Herdecke und einer vor zwei Tagen in Hagen sicherlich verhindert worden.
Die Kosten von Unfällen werden von den Versicherungen der Verursacher übernommen. Aus den Medien ist bekannt, wie diese mit den Geschädigten umgehen. Es ist unverständlich, dass die Politik die hohe Zahl der Getöteten ignoriert. Noch unverständlicher ist jedoch, dass ein Kabarettist meint, dass er derartige Unfälle ins Lächerliche ziehen muss und dabei die Würde der Getöteten und Hinterbliebenen missachtet! Die Gleichgültigkeit der Politiker gegenüber den Getöteten und den Angehörigen veranlasst mich, aktiv etwas gegen diese Ignoranz der Politiker zu unternehmen.
Nun noch mal zum Unfall unserer Tochter:
Vom ersten Kontakt LKW/Radfahrerin bis Stillstand des LKW ca. 10,5 Sek.
Vom ersten Kontakt LKW/Radfahrerin bis tödliche Verletzung ca. 9,6 Sek.
Deshalb bitte ich Sie jetzt 9,6 Sek. um absolute Ruhe.
Danke nochmals allen, die meine Familie und mich heute unterstützt haben. Wir wünschen Ihnen für Ihre Zukunft auf allen Wegen achtsame Begleiter.
Spende für unsere Arbeit!
Der ADFC Köln bringt sich hier vor Ort für die Belange der Radfahrenden in der Domstadt ein. Wir sind die Treiber der Verkehrswende in Köln und setzen uns bessere Bedingungen für die Radfahrenden ein. Dazu arbeiten wir in politischen Gremien mit, beraten die ehrenamtliche Politik im Stadtrat und den Bezirksvertretungen und geben der Perspektive des Radverkehrs auf allen Ebenen der Stadtverwaltung mehr Gewicht. Darüber hinaus haben wir eine starke Präsenz in der Presse, im Radio und TV, um auch der breiten Bevölkerung unsere Themen zugänglich zu machen.
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