Interview mit dem neuen Vorstand des ADFC-Köln
Seit Januar hat der ADFC Köln zwei neue Vorsitzende, Joachim Schalke und Clemens Rott. Die FahrRad-Redaktion hat dies zum Anlass für ein Interview genommen, in dem es um die Kernthemen für die Arbeit des ADFC Köln geht.

Im Januar wurdet ihr beide zu den neuen Vorsitzenden des ADFC Köln gewählt. Mit welcher Zielsetzung habt ihr euer Amt angetreten?
Joachim: Ich habe mich zur wiederholten Kandidatur entschlossen, da mir die parteiübergreifende verkehrspolitische Arbeit zugunsten der Sicherheit im Straßenverkehr inzwischen eine Herzensangelegenheit geworden ist. Dieses Anliegen bezieht sich ausdrücklich nicht nur auf Radfahrerinnen und Radfahrer. Des Kreisverband Köln e. V. Weiteren macht mir mit ebenfalls interessierten Menschen die Arbeit zugunsten der Fahrradförderung besonders viel Spaß.
Clemens: Meine Motivation für den Vorsitz des ADFC Köln zu kandidieren war es, wieder schlagkräftige Strukturen aufzubauen, mit dem Ziel, neue, jüngere Mitglieder zu gewinnen und den ADFC in Köln wieder wahrnehmbarer zu machen.
Auf seiner Bundeshauptversammlung 2013 in Aachen hat der ADFC sein Verkehrspolitisches Programm verabschiedet. Wie schlägt sich dieses in der Arbeit auf Kreisebene nieder?
Joachim: Das Verkehrspolitische Programm des ADFC wird vom ADFC Köln auf die hiesigen realen Verhältnisse im fahrradspezifischen Stadtverkehr angewendet. Daraus ergeben sich zukünftig zahlreiche Diskussionsgrundlagen und Argumentationslinien für die Kontakte zur Verwaltung sowie der Kommunalpolitik.
Clemens: Dieses Programm ist die Basis für unsere Gespräche mit den Ansprechpartnern und Entscheidungsträgern in Politik und Verwaltung. Insbesondere nehmen wir uns die Themen Entschärfung von Gefahrenpunkten und Verbesserung der Fahrradinfrastruktur vor.
Gibt es besondere Themen, denen ihr für 2014 Priorität einräumt?
Joachim: Folgende Themenfelder werden in diesem Jahr unter anderem bearbeitet: 1. Bau eines Fahrradparcours für Radtrainings mit Kindern und Erwachsenen, 2. Lastenfahrrad-Förderung in Köln, 3. Unfall-Präventionskonzept (gegen Tote-Winkel-Unfälle/Radfahrer und Fußgänger, 4. Aufbau einer Radfahrschule für Kölner Bürgerinnen und Bürger sowie für Flüchtlinge, 5. Erstellung eines Fahrrad-Polizei- Weiterbildungs-Konzeptes.
Clemens: Dazu Mitgliederwerbung und aktive Teilnahme an für das Fahrradfahren relevanten Veranstaltungen. Dies bezieht sich auch auf Freizeit und Touristik.

Joachim Schalke, 1. Vorsitzender
50 Jahre alt, liiert, 2 Kinder, Beamter in Köln
Hobbys: leidenschaftlicher Netzwerker (Fahrradförderung; Verkehrssicherheit)
nicht zertifizierter Radfahrlehrer, privater Fahrradbedürfnisforscher,
seit 2009 beim ADFC Köln
Die öffentliche Wahrnehmung des ADFC Köln ist in den letzten Jahren schwächer geworden. Wie wollt ihr das ändern?
Joachim: Wir werden in diesem Jahr an zahlreichen Informations- und Diskussionsveranstaltungen rund um das Thema Rad- und E-Bike-Verbraucherschutz, Verkehrsraumgestaltung, Verkehrssicherheit und Fahrradförderung teilnehmen, um uns als Fahrrad-Lobby-Verband besser als zuvor für die Kölnerinnen und Kölner einzusetzen.
Clemens: Wir werden auch die Zusammenarbeit mit der Presse intensivieren.
Es gibt einen großen Bedarf in Sachen Fahrradschulung bei unterschiedlichen Zielgruppen, wie z.B. Kindern, Senioren oder Mitbürgern mit Migrationshintergrund. Was hat der ADFC Köln da zu bieten?
Joachim: Wie oben bereits erwähnt wurde, werden wir einen Fahrradparcours anbieten, auf dem Radfahrerinnen und Radfahrer aller Altersgruppen sowie mit unterschiedlichen Bedürfnissen mit uns das sichere Radfahren üben werden. Des Weiteren werden wir wieder eine ADFC-Radfahrschule aufbauen.
Clemens: Es gibt sehr individuelle Anfragen. Hier werden wir helfen. Auch werden wir Hilfe anbieten, soweit aus der Sozialarbeit Unterstützung angefordert wird. Künftig werden wir auch wieder verstärkt in Kindergärten und Schulen gehen.
Der ADFC Köln bietet ein umfangreiches Tourenprogramm, das vor allem von der Altersgruppe 40+ genutzt wird. Wie kann dieses Programm auch für Jüngere attraktiv gestaltet werden?
Joachim: Durch eigene Erfahrungen mit zahlreichen Radfahrerinnen und Radfahrern nicht nur in Köln ist es denkbar und wünschenswert, dass der ADFC Köln z.B. im Rahmen von Critical Mass-Veranstaltungen auch mit jungen Menschen ins Gespräch kommt.
Clemens: Des Weiteren wird eine Zusammenarbeit mit Kindertagesstätten und Schulen angestrebt, um die Verkehrssicherheit auch bei Kindern und Jugendlichen zu fördern. Wir werden auch auf Kinder und Jugendliche abgestimmte Aktivitäten anbieten. Konkret sind wir dabei, wieder eine Mountainbike Gruppe aufzubauen. Hier werden naturgemäß Jüngere eher angesprochen.
Der ADFC Köln hat ca. 2.400 Mitglieder, das ist für eine Millionenstadt ziemlich wenig. Wie sollen mehr Menschen überzeugt werden, dass es sich für sie lohnt, Mitglied, am besten sogar aktives Mitglied zu werden?
Joachim: Wenn sich der ADFC Köln zunehmend mit zukunftsrelevanten Perspektiven in gesellschaftlicher und verkehrspolitischer Hinsicht an die interessierte Öffentlichkeit wendet, werden sich auch mehr Menschen für den ADFC Köln interessieren.
Clemens: Neue Mitglieder werden vor allem durch Mitglieder gewonnen. Wenn die Mitglieder ihre Begeisterung über den ADFC Köln verbreiten und Interessenten neugierig machen, kommen sie auch zu uns
Warum ist der ADFC für Köln wichtig und warum sollten viel mehr Menschen Mitglied/aktives Mitglied beim ADFC Köln werden?
Joachim: Sicherer Radverkehr im Verbund mit weiteren umweltverträglichen Verkehrsträgern ist der Stadtverkehr der Zukunft! Durch die Umsetzung des Verkehrspolitischen Programms werden wir weiterhin für die Attraktivität des innerstädtischen Radverkehrs werben und dafür sorgen, dass die Radfahrerinnen und Radfahrer immer weniger als „Sorgenkinder des Stadtverkehrs“ verstanden werden müssen. Tatsächlich verursacht umfangreicher und sicherer Radverkehr in den Städten keine Probleme sondern löst gravierende Verkehrsprobleme! Wir werden mehr Menschen für dieses Verständnis begeistern und dadurch auch aktive Menschen als Mitglieder und Unterstützer gewinnen.
Clemens: Der ADFC ist für Köln wichtig, weil er der größte der Fahrradfahrerinteressenverbände ist.

Clemens Rott, 2. Vorsitzender
63 Jahre, alt, verheiratet, 3 Kinder, Rentner, Dipl. Ing. Flugzeugbau
Letzte Tätigkeiten: im Management eines IT Dienstleistungsunternehmens
Hobbys: leidenschaftlicher MTB Fahrer, seit Februar diesen Jahres der ADFC Köln
Es gibt in Köln eine ganze Reihe von Organisationen, Vereinen und Gruppen, die sich sehr für das Thema „sicherer, nachhaltiger Verkehr“ in unserer Stadt engagieren. Was tut der ADFC für eine aktive und vor allem konstruktive Zusammenarbeit mit ihnen?
Joachim: Als leidenschaftlicher Netzwerker gelingt es mir zunehmend, verkehrsrelevante Menschen und Gruppen anzusprechen und mit Ihnen den verkehrspolitischen Entwurf der Kölner Zukunft in die Wirklichkeit umzusetzen. Denn Verkehrspolitik findet nicht nur in den Gremien sondern auch auf den Straßen Kölns statt, wie wir täglich an kritischen und häufig an positiven Beispielen (Verkehrsraum als Sozialraum) erleben können.
Clemens: Wir treffen Vertreter dieser Vereine und Gruppen bei diversen Veranstaltungen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Umgang untereinander sehr kommunikativ ist und alle den Austausch und die Zusammenarbeit suchen.
Joachim, Clemens, wir danken euch für dieses Gespräch!

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