Ist der Verkehr ein Kampf?
Im Straßenverkehr machen alle Teilnehmer Fehler. Die damit einhergehende Gefährdung ist jedoch sehr ungleich zulasten der schwächeren Verkehrsteilnehmer verteilt.

Im Straßenverkehr machen alle Teilnehmer Fehler, sei es durch gefährliches Falschparken, Geschwindigkeitsüberschreitungen oder Rotlichtvergehen. Die damit einhergehende Gefährdung ist jedoch sehr ungleich zulasten der schwächeren Verkehrsteilnehmer verteilt. Letztendlich müssen wir ALLE uns vor allem an den ersten Paragraphen der Straßenverkehrs-Ordnung halten und rücksichtsvoll miteinander umgehen.
Was hingegen gar nicht hilft, ist ein Fernsehbeitrag der WDR-Sendung Markt, der mit wild zusammengewürfelten Videos aus anderen Ländern und schnellen Schnitten, Radfahrende als „Kampfradler“ darstellt. Dabei wurden die Bilder teils fehlerhaft kommentiert und aus dem Zusammenhang gerissen. Eine Einordnung der Bilder erfolgte dann insbesondere ausgerechnet durch einen bekannten auf die Strafverteidigung von autofahrenden Mandanten nach Verkehrsverstößen spezialisierten Rechtsanwalt.
Radfahrende haben lt. dem Beitrag nicht mit dem WDR sprechen wollen. Das können wir so nicht stehen lassen. Von der vom WDR mittlerweile aus Film und Sendungswebsite entfernten Autorin des Beitrags hatten wir am 6. Januar eine Anfrage bekommen, allerdings sollte der Beitrag einen ganz anderen Schwerpunkt haben:
"Es soll einerseits um den momentanen Status der Fahrrad Infrastruktur in den Städten NRWs gehen und das Fahrradgesetz. Gleichzeitig soll ein Blick auf das Verhalten von Fahrradfahrenden im Straßenverkehr geworfen werden – fahren diese rücksichtslos und wenn ja – wieso?"
"Gleichzeitig möchte ich Sie fragen, ob Ihnen in Köln, beziehungsweise auch NRW-weit Straßen beziehungsweise Städte bekannt sind, in denen es um die Fahrradinfrastruktur besonders gut, beziehungsweise besonders schlecht steht."
In einem 20-minütigen Telefonat sprachen wir u.a. über Infrastruktur, Unfallzahlen und Verkehrsverhalten. Ein Interview wurde locker vereinbart, entweder im Vorfeld unserer Mitgliederversammlung oder in einem separaten Termin. Wir hörten nie wieder von der Autorin.
In Facebook suchte sie am nächsten Tag in der Kölner Fahrradszene plötzlich nach „Kampfradlern“. Mehrere Personen boten sich an, aber die Angebote wurden teils abgelehnt, teils ignoriert, womöglich weil die meisten den Begriff nicht so einordneten, wie er gewünscht war. Vor Ausstrahlung der Sendung wurde das Gesuch von der Autorin gelöscht.
Wir gehen davon aus, dass sich WDR-Intendant Tom Buhrow kurzfristig live im TV für den Beitrag entschuldigen wird. Ob sein radfahrender Vater ein Kampfradler ist, ist noch zu klären.