Mehr als die Hälfte der Verunglückten sind Radfahrende
Im zweiten Quartal 2020 waren in Köln erstmals mehr als die Hälfte der bei Unfällen verunglückten Verkehrsteilnehmer Radfahrende (574 von 1.091; 53%). Die Zahl der Verunglückten insgesamt lag im zweiten Quartal deutlich unter der des Vorjahres.

Das lag vor allem an den Verunglückten anderen, vor allem motorisierten Verkehrsteilnehmern, deren Zahl um 44% einbrach – ein Effekt des stark reduzierten Autoverkehrs während der ersten Hochphase der Corona-Pandemie (517; 2019: 915). Die Zahl der verunglückten Radfahrenden ging nur um 2,5% gegenüber dem Vorjahresquartal zurück (574; 2019: 588).
Auch im Q2 verunglückten mit Abstand die meisten Radfahrenden bei Unfällen mit Kraftfahrzeugen (287). Corona-bedingt gab es hier jedoch 30 weniger Verunglückte als im Vorjahresquartal (-9%). In der nächstgrößeren Kategorie der Alleinunfälle ist Zahl der Verunglückten um 19 auf 170 gestiegen (+13%). Auffällig ist hierbei, dass die Hotspots auf Strecken liegen, bei denen der Radverkehr auf der Fahrbahn stattfindet (siehe unten). Die Zahl der Verunglückten bei Unfällen zwischen Radfahrenden stieg um 9 auf 72 (+13%). Hier gibt es eine Häufung auf den (Freizeit-)Strecken am Rheinufer, bei denen Rekordwerte an den Dauerzählstellen gemessen wurden.
Radfahrende in Köln haben in punkto Sicherheit nicht in gleichem Maße vom Rückgang des KFZ-Verkehrs profitiert wie andere (vor allem motorisierte) Verkehrsteilnehmer. Die Sicherheit der Radfahrenden nimmt also nicht automatisch und nicht proportional zu, wenn der KFZ-Verkehr zurückgeht. Die häufigsten Ursachen bei Unfällen zwischen KFZ und Rad liegen unverändert bei den KFZ-Führer*innen und sind Fehler beim Abbiegen, Fehlverhalten beim Ein- oder Aussteigen, Fehler beim Einfädeln in den fließenden Verkehr sowie Mißachtung der Vorfahrt. Kreuzungen sowie Parkplätze entlang von Rad(schutz)streifen und Radwegen sind also auch bei geringerem KFZ-Verkehr eine große Gefahrenquelle.
Für die Unfälle zwischen Radfahrenden ist die Datenlage bezüglich der Ursachen nicht eindeutig. Es verwundert aber nicht, dass es eine deutliche Häufung an den Rheinufer-Strecken gibt, auf denen sich Radfahrende (und Zufußgehende) auf schmalen Zweirichtungswegen begegnen. Diese Wege sind nicht für Radverkehr in den Dimensionen geeignet, die während der Corona-Hochphase und den Feier- und Ferientagen des vergangenen Quartals dort stattgefunden haben.
Aus den Ergebnissen leiten wir ab:
- Köln braucht ein enges Monitoring über Zahl und Ursachen der Verkehrsunfälle mit Radverkehrsbeteiligung. Ziel muss sein, durch kontinuierliche Arbeit an den Ursachen die „Vision Zero“ für Radfahrende zu erreichen.
- Kreuzungen und Parkplätze müssen bei der Umgestaltung des Straßenraums eine besondere Priorität erhalten. Leider werden die Knotenpunkte oft ausgeklammert, und die Führung des Radverkehrs neben Parkplätzen ist leider nach wie vor ein Standard der Kölner Verkehrsplanung.
- Die Verwaltung muss die vorhandenen Freizeitstrecken besser sichern und neue Strecken (auch temporär) erschließen. Es war ein Fehler, dass die Verwaltung sich nicht dazu durchringen konnte, die Alfred-Schütte-Allee durch die Sperrung der Drehbrücke und weitere Maßnahmen sicherer zu machen, und dass sie keine Pop-up Bike Lanes einrichten will. Die Verbände und Initiativen haben gezeigt, dass man mit kleinen Mitteln attraktive Strecken (nicht nur) für den Freizeitverkehr schaffen kann.
Die Hotspots der Radverkehrsunfälle im Q2 waren:
KFZ gegen Rad:
- 9 Verletzte auf der Neusser Straße (Nippes)
- 8 auf der Olpener Straße
- je 6 auf Venloer Straße, Dürener Straße, Frankfurter Straße, Innere Kanalstraße
- 5 auf Kalker Hauptstraße
Alleinunfälle:
- – 10 Verletzte auf der Neusser Straße in Weidenpesch (möglicherweise im Zusammenhang mit einer gefährlichen Baustellensituation an der Grenze zu Longerich)
- – 9 auf der Zülpicher Straße
- – 7 auf der Berrenrather Straße
Rad gegen Rad:
- – 15 Verletzte auf den Strecken entlang des Rheinufers (rechtsrheinisch: Alfred-Schütte-Allee, An der Groov; linksrheinisch: Weißer Leinpfad, Aggripinaufer, Frankenwerft, Oberländer Ufer, Konrad-Adenauer-Ufer, Langeler Damm)
Auf https://verkehrsunfaelle.adfc.koeln sind die Verkehrsunfalldaten der Polizei NRW auf einer Karte dargestellt. Dort werden die Unfälle nach Anzahl und Typ dargestellt (nicht die Anzahl der Verunglückten). Das erste Halbjahr 2020 ist dort bereits enthalten.

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