Symbolpolitik für Volksgarten- und Rolandstraße
Am 30.01.2020 hat die Bezirksvertretung Innenstadt beschlossen, den Grünstreifen auf Rolandstraße und Volksgartenstraße auf einem Teilabschnitt so umzugestalten, dass "Fahrradfahrer diese Bereiche nur noch verlangsamt passieren können."

Am 30.01.2020 hat die Bezirksvertretung Innenstadt auf Antrag der SPD gegen die Stimmen der Grünen und GUT beschlossen, den Grünstreifen auf Rolandstraße und Volksgartenstraße auf einem Teilabschnitt so umzugestalten, dass "Fahrradfahrer diese Bereiche nur noch verlangsamt passieren können."
Anfang November 2019 hatte es einen Ortstermin gegeben, zu dem auch der ADFC Köln eingeladen wurde. In konstruktiver Atmosphäre wurde dabei über die Konflikte gesprochen, die es insbesondere zwischen Hundehaltern und Radfahrenden gibt. Dabei kamen auch die Faktoren zur Sprache, die dazu führen, dass Radfahrende überhaupt auf den Gedanken, kommen, den Grünstreifen zu befahren:
- auf jeweils beiden Seiten der Straße wird geparkt – Radfahrende bewegen sich zwischen ein- und ausparkenden Autos und in der Dooring-Zone
- die verbleibende Fahrbahn ist so schmal, dass Radfahrende gar nicht oder nicht mit dem notwendigen Sicherheitsabstand überholt werden können; sie werden oft von Autofahrer*innen bedrängt
- Aufpflasterungen der Fahrbahn machen das Befahren mit dem Rad unkomfortabel, das gilt insbesondere für Kindertransporte
- der Hochbord-Gehweg ist schmal und führt neben den Parkplätzen direkt an vielen Hauseingängen vorbei, so dass radfahrende Kinder und begleitende Erwachsene gut beraten sind, stattdessen den Grünstreifen zu benutzen
Nach unserer Auffassung gab es einen Konsens darüber, dass mögliche Maßnahmen keinesfalls einseitig auf Verbote oder Durchfahrtssperren für den Grünstreifen setzen dürfen, sondern dass an den Ursachen angesetzt werden muss: Die Bedingungen für das Radfahren auf der Fahrbahn müssen verbessert werden – das gilt unabhängig davon, für wie problematisch man die Konflikte auf dem Grünstreifen hält.
In der Beschlussvorlage der SPD ist dieser Ansatz des Ortstermins nicht mehr zu erkennen. Zu unserer Überraschung ist eine Mehrheit in der Bezirksvertretung dem Antrag gefolgt.
Zu Erinnerung: Eben diese Bezirksvertretung hat im Juni 2016 beschlossen, dass auf Rolandstraße und Volksgartenstraße eine Fahrradstraße eingerichtet werden soll – und zwar als "kurzfristig" zu realisierende "Big-Five-Schwerpunktmaßnahme" im Hauptnetz des Radverkehrsinkonzepts Innenstadt.
Die Bezirksvertretung hat nun die Chance verpasst, gegenüber der Verwaltung auf die Umsetzung der Fahrradstraße zu drängen. Sie zeigt mit ihrem Beschluss, dass sie die Probleme des Radverkehrs auf dieser Achse ignoriert. Sie muss sich fragen lassen, wie ernst sie ihr eigenes Radverkehrskonzept nimmt. Und sie stellt ihr an sich erfolgreiches Format von offenen und konstruktiven Ortsterminen mit breiter Beteiligung in Frage.
Wenn diese Fehlleistung der Bezirksvertretung stilprägend ist für das Wahljahr, sieht es schlecht aus für den Radverkehr in der Innenstadt.
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