Aktive im ADFC vorstellen: Kai Erne
Wenn man Kai googelt, weiß man: Seine Mission ist, Fahrräder vor Diebstahl zu schützen. Ist das auch ein Beruf? Und wie kommt man dazu? Kai hat viel dazu zu erzählen.

Ist dein Beruf tatsächlich „Diebstahlschützer“ und „Codierer“? Kann man davon leben oder hast du noch einen anderen Beruf?
Vom Studium her bin ich Geophysiker. Hauptberuflich bin ich selbstständig im Bereich Internet-Dienstleistungen. Ich erstelle und betreue Webseiten und Webshops und kümmere mich um Internet-Werbekampagnen. Darüber hinaus engagiere ich mich ehrenamtlich in einem Pflegeheim.
Die Fahrradcodierung ist für mich eine nebenberufliche Tätigkeit, die sich im Laufe der Jahre zu einem echten zusätzlichen Geschäftsfeld entwickelt hat. Mein Hauptberuf ist sie aber nicht.
Seit wann engagierst du dich im ADFC und wie bist du zur Fahrradcodierung gekommen?
Angefangen hat alles im Jahr 2012. In meiner damaligen Radgruppe sagte gefühlt ständig jemand ab, weil ihm das Fahrrad gestohlen worden war. Deshalb wollte ich mein eigenes Fahrrad codieren lassen. In Köln fand ich damals jedoch niemanden, der das anbot.
Daraufhin dachte ich mir: Dann könnte ich es doch selbst anbieten. Anfangs war das eher als Spaß und Experiment gedacht. Daraus entwickelte sich jedoch nach und nach eine Geschäftsidee und schließlich ein echter Nebenverdienst.
Seit 2012 bin ich sowohl privates Mitglied im ADFC als auch mit fahrrad-diebstahlschutz.com Fördermitglied.
Welche Aufgaben übernimmst du beim ADFC?
Zweimal im Monat finden Codiertage beim ADFC statt. Dort präge ich die persönliche Codiernummer in den Fahrradrahmen der Kundinnen und Kunden ein.
Diese sichtbare Kennzeichnung soll Diebe abschrecken. Wird ein gestohlenes Fahrrad später gefunden, lässt sich der rechtmäßige Besitzer anhand der Codierung leichter ermitteln. Genau diese Kombination aus Vorbeugung und praktischer Hilfe nach einem Diebstahl finde ich sinnvoll.
Wer sind sonst noch deine Kunden und warum lassen sie ihre Fahrräder codieren?
Zu meinen Kunden gehören Privatpersonen, ADFC-Gliederungen, Fahrradhändler, Unternehmen und andere Einrichtungen sowie Kommunen. Gelegentlich entstehen Kontakte auch über die Polizei.
Viele Menschen möchten ihr Fahrrad codieren lassen und fragen zunächst bei der Polizei nach. Von dort werden sie häufig an den ADFC oder direkt an mich verwiesen. Weitere Gründe sind kommunale Förderprogramme für E-Bikes, bei denen eine Codierung teilweise vorausgesetzt wird. Manche Fahrradversicherungen gewähren für ein codiertes Fahrrad außerdem einen Preisnachlass.
Gab es beim Codieren einmal ein besonders lustiges Erlebnis?
Ein Kunde wollte statt des offiziellen EIN-Codes unbedingt den Schriftzug „SUPER HSV“ in seinen Fahrradrahmen geprägt bekommen. Er war überzeugt, dass dadurch schließlich jeder sofort erkennen könne, wem das Fahrrad gehört.
Von dieser Idee ließ er sich nicht abbringen. Also habe ich den Schriftzug tatsächlich eingeprägt – der Kunde ist schließlich König.
Was wünschst du dir für die nähere Fahrradzukunft und für den ADFC?
Ich wünsche mir vor allem, dass Fahrraddiebstahl nicht länger wie ein Kavaliersdelikt behandelt wird. Natürlich kann nicht jeder Ersttäter sofort mit einer drakonischen Strafe belegt werden. Wenn jedoch Serientäter immer wieder Fahrräder oder andere Dinge stehlen und trotz zahlreicher Fälle kaum spürbare Konsequenzen erfahren, verliert das Rechtssystem seine abschreckende Wirkung.
Eine Gesellschaft kann auf Dauer nur funktionieren, wenn Regeln durchgesetzt werden und wiederholte Straftaten angemessene Konsequenzen haben. Deshalb würde ich mir wünschen, dass sich auch der ADFC stärker dafür einsetzt, Fahrraddiebstahl konsequenter zu verfolgen und insbesondere gegen Wiederholungstäter wirksamer vorzugehen.