Kölner Ringe als „Protected Bike Lane“

Es gibt gute Nachrichten aus Köln. Wir sind mit der Planung der Umgestaltung der Kölner Ringe für einen besseren nachhaltigen Verkehr einen wichtigen Schritt weitergekommen. #RingFrei wird aller Voraussicht nach Realität.

Die Verwaltung plante bisher eine „Shared Bike Lane“, also Mischverkehr, und wollte diese mit Tempo 30, den linken Fahrstreifen aber mit Tempo 50 belegen. Diese „Shared Lane“ wäre wie bisher tagsüber zu einer Park- und Lieferspur geworden. Seit zwei Jahren versuchen wir im Rahmen des Radverkehrskonzepts Innenstadt dazu mit der Stadtverwaltung ins Gespräch zu kommen. Die Ringe wurden aber weder mit uns im Fachbeirat noch im Rahmen der Bürgerbeteiligung diskutiert.

Nachdem sich an der Planung der Ringe nichts veränderte und im Herbst vergangenen Jahres eine Serie von schweren Abbiegeunfällen in Köln passierte, haben wir gemeinsam mit vielen Radfahrenden aller Couleur über die Ringe diskutiert. Entstanden ist daraus unser 10-Punkte-Plan für die Kölner Ringe. Den Plan haben wir vielfach in den Medien, auf zahlreichen Veranstaltungen und auch hier im Blog erläutert. Ebenso war er Teil unserer Stellungnahme zum Radverkehrskonzept.

Unser 10-Punkte-Plan beinhaltet im Wesentlichen Tempo 30 auf allen Fahrstreifen sowie eine Umwidmung des kompletten rechten Fahrstreifens exklusiv für den Radverkehr. Wenn dies gut gemacht wird und der Radverkehr auch physisch vom Autoverkehr getrennt wird, ist dann auch eine Umwidmung des holprigen und nur 96 cm schmalen Radwegs zu einer breiten Flaniermeile für Fußgänger möglich. Der Autoverkehr wird dabei kaum eingeschränkt, da der rechte Fahrstreifen im Berufsverkehr heute schon weitestgehend zugeparkt wird. Durch Umwidmung aller Parkplätze in eine riesige Lieferzone entfallen dazu noch Parkplatzsuchverkehre und die Lieferprobleme des Handels. Parkplätze gibt es auch nach Umsetzung unseres Plans zur Genüge in den zahlreichen Parkhäusern am Ring. Damit ist unser Plan ein Gewinn für alle Beteiligten.

Wir waren zu Beginn skeptisch, wie der Handel auf unsere Ideen reagieren würde. Durch die direkte Berücksichtigung der Belange der ansässigen Geschäfte, hatten wir die Gewerbetreibenden aber von Beginn an auf unserer Seite. Die „Einrichtungsmeile Kölner Ringe“ ist einer der wichtigsten Fürsprecher für den 10-Punkte-Plan und auch die IHK Köln unterstützt unsere Idee. Zusätzlich wird der Plan auch von den anderen Verbänden, wie zum Beispiel dem VCD Köln, mitgetragen. Diese breite Unterstützerfront führte zu einem einstimmigen Beschluss für den 10-Punkte-Plan in der Bezirksvertretung Innenstadt.

NRW-Verkehrsminister Michael Groschek schlägt vor, das Konzept der „Protected Bicycle Lanes“ – also der geschützten Radwege – aus Chicago zu importieren. Die USA würden in New York und Chicago beweisen, dass man mit „Protected Bicycle Lanes“ schnell und preiswert sicheren Radverkehr in die Innenstädte bringen könne. „Köln als lebenslustige und moderne Stadt sollte sich da nicht abhängen lassen und diese Möglichkeit prüfen“, sagt Groschek, der sich die Radwege vor Ort anschaute. Um den Radverkehr in Köln voran zu bringen, werde das Verkehrsministerium mit Rat und Tat zur Seite stehen. [Kölner Stadtanzeiger vom 27. Juni 2016]

Mit Anpassung an die örtlichen Gegebenheiten und einer wertigen Gestaltung lässt sich das relativ einfach auch in Köln realisieren. Groschek überzeugte sich auf einer USA-Reise gemeinsam mit ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork, wie beide begeistert in Twitter dokumentierten.

In dieser Woche fand auf Anregung der Bezirksvertretung ein erster Workshop zum Thema statt. Die anwesenden Vertreter der Politik betonten über alle Parteigrenzen hinweg, dass sie den 10-Punkte-Plan unterstützen und auf eine schnelle Umsetzung hoffen. Nach langer Diskussion konnten wir mit Bildern aus Kopenhagen und diversen amerikanischen Städten überzeugen und die Phantasie der Teilnehmer anregen. Es gab zwar kritische Nachfragen, aber diese konnten alle beantwortet werden. Am Ende ging es nicht mehr darum, was nicht geht, sondern darum, wie wir dieses – nun gemeinsame – Ziel erreichen. Wir erhalten nun von der Stadt Detailpläne der Ringe und erarbeiten gemeinsam für einen Beispielabschnitt Lösungen für die anstehenden Herausforderungen. Insbesondere bei der Gestaltung der und Zufahrt zu den Lieferverkehrszonen sowie bei der Kreuzungsgestaltung werden noch einige Nüsse zu knacken sein. Hier sind wir über den ADFC-Bundesverband (Danke!) mit mehreren amerikanischen Verkehrsplanern mit reichlich Erfahrung im Bereich „Protected Bike Lane“ im Gespräch, um direkt ein gutes Zieldesign vorschlagen zu können.

Als erster Schritt werden nun die Lichtsignalanlagen teils ausgetauscht und teils neu programmiert. Dies ist aus Sicht der Verwaltung die Voraussetzung für alle weiteren Schritte, egal ob „Shared Bike Lane“ oder geschützter Fahrradspur. Erste Ampeln werden ab Oktober ausgetauscht. Als Folge wird die Radwegbenutzungspflicht für den schmalen Radweg auf einem Großteil der Ringe noch in diesem Jahr fallen. Der komplette Ring kann sich allerdings, anders als bisher über die Medien kommuniziert, noch bis ins Frühjahr ziehen. Bis zur Umsetzung einer geschützten Fahrradspur für alle Radfahrenden von 8 bis 80 Jahren wird der alte Radweg natürlich noch als „anderer“ Radweg bestehen bleiben. Wir erhoffen uns eine Umsetzung der geschützten Fahrradspur zumindest im Kernbereich der Ringe im Laufe des ersten Halbjahrs 2017.


Mann und Kind auf Radweg

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