"Projekt 300" jetzt auch auf der Aachener?

 

In einer aktuellen Beschlussvorlage schlägt die Verwaltung vor, die Radverkehrsführung auf der Aachener Straße zu ändern. Betrachtet wird eine circa 560 Meter lange Strecke der Aachener Straße zwischen Pfeilstraße und Moltkestraße.

 

Dabei soll auf 320 Metern ein Radfahrstreifen eingerichtet werden (knapp 60% der Gesamtstrecke), auf dem Rest haben Radfahrende die Wahl zwischen Mischverkehr auf der Straße oder dem Hochbord-Radweg bzw. einer Fußgängerzone. Von einer durchgängigen Führung kann also nicht die Rede sein.

Doch zunächst das Positive: Die Einrichtung des Radfahrstreifens und das Umwandeln von Parkplätzen in Lieferzonen begrüßen wir (fast) uneingeschränkt. Die Situation vor den Cafés und Restaurants zwischen Brabanter Straße und Brüsseler Straße ist für alle eine Zumutung – gut, dass sich dort endlich etwas ändern soll.

Dennoch haben wir eine Reihe von Vorschlägen:

1. Tempo 30 auf der gesamten Strecke

Überall, wo der Radverkehr ohne physischen Schutz auf der Fahrbahn geführt wird, muss eine Höchstgeschwindigkeit von 30km/h gelten. Mischverkehr bei Tempo 50, noch dazu auf einer mehrspurigen Straße, ist für uns nicht akzeptabel. Rechtlich mag der Vorschlag der Verwaltung zulässig sein, aber es stimmt uns nachdenklich, dass sie ihn überhaupt unterbreitet. Die Sicherheit des Radverkehrs kann nicht je nach „örtlichen Gegebenheiten“ neu verhandelt werden. Der Verkehrsausschuss wäre gut beraten, einen grundsätzlichen Beschluss zu fassen!

2. Einrichtung eines Radfahrstreifens zwischen Hohenzollernring und Brabanter Straße

Es ist nicht vermittelbar, warum sich ausgerechnet hier Rad- und Fußverkehr noch auf engstem Raum arrangieren sollen. Die Aufhebung der Benutzungspflicht alleine ist nicht hinreichend, eine Fahrspur muss umgewidmet werden. Und, liebe Verkehrspolitikerinnen und Verkehrspolitiker, liebe Verwaltung, damit es diesmal keine Mißverständnisse über die Reihenfolge gibt: ERST der Radfahrstreifen, DANN der Rückbau des alten Radwegs. Am Besten im Beschluss festhalten.

Die Ausschleusung am Hahnentor auf eine Fahrbahn ohne Radfahrinfrastruktur hat mit Radverkehrsförderung wenig bis gar nichts zu tun. Wer sich hier auf die Straße traut, der ist schon ab Neumarkt auf der Fahrbahn geradelt. Alle anderen kommen auf dem Hochbord-Radweg an, stoppen notgedrungen an der Pfeilstraße und queren dann die Fußgängerzone Rudolfplatz. Dabei kommen sie Fußgängern ins Gehege, und bei den zahlreichen Veranstaltungen und Märkten sind sie zum Schieben verdammt. Der Verkehrsausschuss muss sich jetzt dazu durchringen, diese wichtige Achse für den Radverkehr entscheidend zu verbessern, und zwar mit folgenden Maßnahmen:

3. Neuaufteilung der Verkehrsfläche am Rudolfplatz

Es fehlt eine Radfahrinfrastruktur auf der Fahrbahn entlang des Platzes. Mit der Umwidmung einer Spur allein wäre es hier aber nicht getan, weil so ein Radfahrstreifen in Mittellage entstehen würde. Diese Führungsform ist kritisch zu sehen, noch dazu in Verbindung mit dem bereits bestehenden freilaufenden Rechtsabbieger. Die gesamte Verkehrsfläche vor dem Hohenzollernring muss umgestaltet werden, mit deutlich erhöhten Anteilen für Rad- und Fußverkehr.

4. Bevorrechtigung des Radverkehrs an der Einmündung Pfeilstraße

Die Verwaltung plant, den Radverkehr auf der Höhe des zu verschiebenden Taxistands auf die Fahrbahn zu führen. Heute werden Radfahrende schon an der Einmündung der Pfeilstraße ausgebremst, weil sie abbiegenden Autos die Vorfahrt lassen müssen – und zwar sowohl bei grüner als auch bei roter Ampel für den Geradeausverkehr. Dieser Knotenpunkt muss neu geregelt werden, wenn es eine Schleuse geben soll. Der Radverkehr muss Vorfahrt vor den Abbiegern haben.

5. Alternative große Lösung: Geschützter Radfahrstreifen ab Neumarkt

Die planerischen Probleme mit der Schleuse am Hahnentor und der Einmündung Pfeilstraße gibt es nur, weil der Radverkehr nach dem Neumarkt auf dem Hochbord geführt wird. Warum also jetzt nicht Nägel mit Köpfen machen, und die gesamte Strecke ab Neumarkt betrachten? Im Radverkehrskonzept Innenstadt wurde das andiskutiert, und der Rat hat am 18.12.2018 einen weitreichenden Beschluss gefasst: „Die Verwaltung erstellt ein Verkehrskonzept mit dem Ziel, den Verkehr auf dem gesamten Streckenverlauf von Weiden-West bis Heumarkt zu optimieren. Die oberirdischen Pkw-Stellflächen zwischen dem Eisenbahnring und Heumarkt entfallen.“ Wenn dieser Beschluss umgesetzt wird, entsteht Raum für einen geschützten Radfahrstreifen ab Neumarkt. Eine Schleuse am Hahnentor wird dann nicht benötigt, der alte Radweg kann entfallen.

 

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